Wie schlägt sich all das Gerede über Hefe in anderen Tieren nieder, oder in uns? Studien an Würmern, Fliegen und nun auch Mäusen und Affen kennzeichnen die Sirtuine (Sir2 und verwandte Gene) schlüssig als äußerst wichtige Vermittler des durch Kalorienbeschränkung verursachten Langlebigkeitseffekts. Aber natürlich ist nichts so einfach, wie es aussieht, wenigstens nicht bei Säugetieren. Alterungsprozesse bringen alle Arten von Erkrankungen mit sich: Krebs und Geweberückbildung, die in neuronalen Geweben Krankheiten wie Alzheimer oder Parkinson verursachen können. Das Risiko für Erkrankungen des Herz-Kreislaufssystems, Schlaganfall und Diabetes ist ebenfalls erhöht, oft aufgrund eines allgemein höheren Anteils an Körperfett mit zunehmendem Alter. Und die Stoffwechseleffizienz ist verringert, während mehr und mehr Zellen in Richtung Selbstmord gehen (apoptotische Zellen). Bei Säugetieren muss der Prozess zum Aufhalten des Alterns deshalb eine Vielzahl an physiologischen Prozessen umfassen. Wie können die Sirtuine mit all dem fertig werden?

So weit wir wissen ist die Vorgehensweise für SirT1 (Säugetierversion von Sir2) bei Säugetieren komplexer als bei Hefe. Während das Protein Acetyle von Histonen entfernt, zielt es auch auf eine Reihe anderer, zellulärer Proteine ab und speist sich in viele molekulare Pfade, um den Alterungsprozess zu verzögern, ein. Hohe Spiegel können p53, ein wohlbekanntes Gen zur Tumorunterdrückung, Ku70 und Forkhead-Proteine hemmen und damit die Apoptose verringern. Das ist gut bei Neuronen, die sich normalerweise nicht teilen und wieder regenerieren, aber für sich schnell teilende Zellen ist dies gefährlich.

Eine Verlangsamung des programmierten Zelltods bedeutet, dass wir aggressive Krebszellen nicht so leicht loswerden können. Andere durch SirT1 verursachte Hormonveränderungen könnten dieser Gefahr entgegenwirken, aber das wissen wir noch nicht sicher. Nur um Verwirrung zu stiften, SirT1 kann die Apoptose in einigen Zellen des Immunsystems steigern (durch das Ziel NFßkappaB), das schädliche Entzündungen hemmt. Es kann auch Fettvorräte durch die Unterdrückung des PPAR-gamma Rezeptors mobilisieren. Dieser Effekt, zusammen mit niedriger Insulinproduktion, erhöhter Insulinsensivität und dem Insulin Growth Factor 1 (IGF-1), kann alterabhängige, vielmals mit Fettleibigkeit in Zusammenhang stehende Krankheiten verzögern, wie Diabetes, und verschiedenen Erkrankungen des Herz-Kreislaufsystems.

Zusätzlich zu SirT1 gibt es beim Menschen sechs andere bekannte Sirtuin-Proteine. SirT4, 5 6 und 7 sind noch nicht gut erforscht, aber so weit wir wissen, scheinen SirT2 and SirT3 die Lebensdauer zu verlängern. Sie verringern die Produktion an freien Radikalen, was die Funktion der Energiefabriken der Zelle (Mitochondrien) verbessert und die Resistenz gegen Stress durch verstärkte Reparatur oxidativer Schäden und Neuroprotection anhebt. All das sind nur kleine Appetithappen für die vielen molekularen Pfade, an denen die Sirtuin-Proteine beteiligt sind.

Die Epigenetik der Sirtuine mag noch in den Kinderschuhen stecken, aber das Labor von Danny Reinberg (New York University Medical School) hat gezeigt, dass SirT1 daran teilhat, DNA in einer kompakten Form des Chromatins namens Heterochromatin wegzuschließen. Es wurde auch als Komponente fehlregulierter epigenetischer Maschinerie erkannt, die bei fortschreitendem Prostatakrebs aus dem Ruder gelaufen war. SirT2 kommt ins Spiel, wenn die Chromosomen sich vor der Zellteilung verdichten müssen.