Eine Reihe an Studien scheint eine Verbindung zwischen niedrigem Folsäuregehalt der Nahrung, einem hohen Alkoholkonsum und dem Auftreten von Krebs, besonders Darmkrebs, hergestellt zu haben. Eine Untersuchung stellte sogar fest, dass Männer mit einem von hohem Alkoholkonsum/niedrigem Folsäurespiegel geprägten Lebensstil ein fünffach erhöhtes Darmkrebsrisiko hatten, im Vergleich zu Testpersonen, die sich von dem Fusel fernhielten und folsäurereichere Kost zu sich nahmen.

Noch dazu kommt, dass Forscher in den Niederlanden Änderungen der Methylierung an bestimmten DNA-Abschnitten bei Darmkrebsproben von Patienten mit einem hohen Alkoholkonsum und einer folsäurearmen Ernährung fanden. Und Experimente mit Ratten zeigten, dass Acetaldehyd, das Nebenprodukt von Alkohol, vielleicht die Methyltransferase Enzyme blockieren könnte, die Methylgruppen an die DNA heften.

Die Forschungsergebnisse weisen sicherlich auf eine Rolle für Alkohol bei der Unterbrechung der DNA- Methylierung hin. Aber das ist nicht die einzige epigenetische Markierung, von der wir Kenntnis haben. Es gibt auch die Methylierung und Acetylierung der Histone – der Proteine, die DNA verpacken. Diese Modifikationen fungieren als „Kode“, der der Zelle  mitteilt, welche Gene ein- oder ausgeschaltet sein sollten. Hat Alkohol auch darauf Auswirkungen?

Bis jetzt ist die Beweislage eingeschränkt, aber Shivendra Shukla und seine Kollegen haben einige anfängliche Hinweise gefunden, dass der Histonkode auch durch Alkoholgenuss unterbrochen werden könnte. So zeigen Ratten, denen „akute in vivo“ Dosen (auch bekannt als Komatrinken) an Alkohol verabreicht wurden, Veränderungen im Muster der Histonmethylierung von Zellen in Leber, Lunge und Milz. Und Experimente an im Labor gezüchteten Leberzellen demonstrieren, dass Alkohol Veränderungen in der Histonmethylierung herbeiführt, die wiederum Veränderungen im Muster der Genaktivität bewirkt.

Wir wissen also, dass Alkohol eine Auswirkung auf den epigenetischen Status haben kann, was der Auslöser für Krebs sein kann. Aber viele Menschen trinken - und manche trinken sehr viel – und trotzdem entwickeln nicht alle Krebs. Was ist die Erklärung?