Aber was hat das mit Epigenetik zu tun? Li-Huei Tsai und Kollegen am Massachusetts Institute of Technology fanden Hinweise, dass Lebensraum- und Verhaltensanreicherung zu einer grundsätzlichen Veränderung im Programm der Gehirnzellen führt  - die Anweisungen, die beschreiben, wie neue Zellen hergestellt werden. Diese Veränderungen betreffen die tatsächliche Form der DNA-Pakete in jeder Zelle, eine Modifikation ihres Epigenoms.

In kurzer Wiederholung: Änderungen, die nicht die DNA-Sequenz beeinflussen, werden epigenetisch genannt – sie verändern die Art und Weise wie die DNA im Zellkern verpackt ist. DNA wickelt sich wie ein Faden auf einer Spule um Histone genannte Proteine und erzeugt so ein Paket namens Chromatin.  Die charakteristischen Veränderungen, die die  Chromatinverpackung beeinflussen, sind hauptsächlich chemischer Natur, entweder an der DNA selbst, durch Methylierung der einzelnen DNA-Basen, oder an den Histonproteinen, um die die DNA gewunden ist, mittels Modifikationen wie Acetylierung oder Methylierung.  Diese Modifizierungen  können Chromatinregionen enger zusammenpacken, was dazu führt, dass die Gene in diesem Abschnitt ausgeschaltet sind, oder aber auch auflockern, was die Gene einschaltet. Tsais Team zeigte, dass Lebensraum- und Verhaltensanreicherung den Acetylierungsgrad der Histonspulen hebt und somit durch Auflockerung  der Chromatinverpackung eine große Anzahl von Genen aktiviert.

Aber wie verringert das das Demenzrisiko? Sowohl Savonenko als auch Tsai und ihre Teams maßen die sichtbaren Verbesserungen der Gehirnleistung mit mehreren Kennzahlen: die Frequenz, mit der neue Gehirnzellen gebildet werden, die Anzahl der neu gebildeten oder wiederhergestellten Verbindungen zwischen den Zellen, und die Fähigkeit dieser Verbindungen zum Lernen konditioniert zu werden. Der Begriff hierzu heißt „synaptische Plastizität“. Sie fanden heraus, dass Mäuse, die unter Lebensraum- und verhaltensangereicherten Bedingungen gehalten wurden, eine vergrößerte Hirnmasse aufwiesen, eine Folge von Zellneubildungen. Zusätzlich zeigten mikroskopische Untersuchungen, dass die Anzahl der Verbindungen stieg, während Experimente, die elektrische Signale im Gehirn einsetzten, demonstrierten, dass sich die synaptische Plastizität vergrößert hatte, während die Versuchstiere verbesserte Lernfähigkeit und Gedächtnisleistung erkennen ließen.