Auf der Zugfahrt nach München beginne ich die Auswirkungen dieses neuen Wissens zu hinterfragen. Was bedeutet die Epigenetik wirklich für die menschliche Rasse? Können wir unser Schicksal durch diese neu gefundene Kontrolle über unsere grundlegenden Moleküle abwenden? In Deutschland ist man sich des potenziell negativen Gebrauchs solcher Technologien durchaus bewusst und daher in Bezug auf jede Art genetischer Forschung konservativ eingestellt. „In Deutschland herrscht eine allgemeine Angst vor allem, was mit biologischen Therapien zu tun hat“, bestätigt Axhel Imhof (Universität München).

„Es beginnt mit Stammzelltherapien und erstreckt sich auf die Gentherapie und alles, was irgendeine Auswirkung auf die Zellen hat und keine chemische Behandlung ist.“ Tatsächlich liegt es vor allem an der deutschen Einstellung zur genetischen Forschung, dass Deutschland den biotechnologischen Zug verpasst hat und in Bezug auf die Beteiligung am Menschlichen Genomprojekt sehr zögerlich war.

Wenn Axel Zeit mit seinen Verwandten verbringt, sagen diese manchmal Dinge wie: „Weißt du, ich verstehe nicht wirklich, was du machst, aber ich habe Angst, dass es schreckliche Dinge sein könnten.“ Er glaubt, dass das Problem durch eine bessere wissenschaftliche Ausbildung an den Schulen gelöst werden kann.

Axel gibt zu, dass die Wissenschaftler eine Mitschuld an der Täuschung der Öffentlichkeit tragen. „Wissenschaftler wollen Geldmittel für ihre Forschung organisieren. Wenn sie beschreiben, was sie tun, schaffen sie Hoffnungen, die sie dann vielleicht nicht erfüllen können. Sie müssen aber Hoffnungen wecken, um die Geldmittel von den für die Regierung arbeitenden Nicht-Spezialisten auch zugesprochen zu bekommen.“ Strategien, um sowohl die Öffentlichkeit, als auch Politiker über bedeutende wissenschaftliche Themen besser aufzuklären, könnten die Situation verbessern. Axel arbeitet an Fliegen, Hefen und Bakterien – er muss sich also keine großen Sorgen über Gesetze machen, die seine Forschungen verbieten könnten. Seine Forschungsgruppe interessiert sich für die Enzyme, die einen Einfluss auf die Wechselwirkungen zwischen Histonproteinen und DNA haben. Letztendlich würde er gern den epigenetischen Code entschlüsseln.