Mein nächster Anlaufhafen entstand im 12. Jahrhundert aus einem Fischerdorf am Ufer der Amstel. Vom Zentralbahnhof Amsterdams begebe ich mich zur Galeriebar Het Schuim. Fred van Leeuwen (Niederländisches Krebsinstitut) trifft sich mit mir für ein kurzes Gespräch auf seinem Heimweg vom Labor. „Wissen Sie, ich habe eben mit der Königin von Holland gesprochen“, zwitschert er. Fred erklärte der Königin, dass er mit Bäckerhefe arbeitet – der Art Hefe, die zur Herstellung des Biers verwendet wird, welches wir gerade trinken. Die Königin war beeindruckt, als sie hörte, dass Hefe für den Kampf gegen menschliche Krebserkrankungen hilfreich sein kann. „Zum Beispiel fanden wir vor einigen Jahren ein Enzym, das die Histone in Hefezellen methyliert. Einige Monate später wurde ein homologes Enzym in Säugetierzellen entdeckt.“ Ich frage ihn über dieses Enzym aus. Das Gen für das Enzym wird DOT1 genannt. Das DOT1-Enzym methyliert ein bestimmtes Lysin innerhalb eines Histonproteins. „Erst vor kurzem erschien eine Veröffentlichung, die zeigt, dass dieses Enzym in der Tat an ein Protein gebunden ist, welches bei bestimmten Leukämiearten produziert wird und an der fehlerhaften Regulation der Genexpression beteiligt ist. Das Ergebnis von Untersuchungen an Hefezellen wurde also für die Identifizierung eines Säugetierproteins genutzt, das – wie sich jetzt herausstellt – bei der Leukämie eine Rolle spielt“, kommentiert Fred. Wenn diese Proteine gebunden werden, führen sie zu einer übermäßigen Methylierung an diesem Histon. Wenn wir diesen Prozess stoppen könnten, würde uns das eventuell dabei helfen, der Entstehung von Leukämie Einhalt zu gebieten.